Irans Wasserwirtschaft ist geprägt von Verschwendung der knappen Ressourcen und hat wie die Landwirtschaft erheblichen Modernisierungsbedarf. Hierzu ist das Land  auf ausländische Investitionen und technisches Know How in diesen Bereichen angewiesen, um die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten und das wirtschaftliche Potential der Landwirtschaft auszuschöpfen.

Iran Wasserwirtschaft SWOT-Analyse

Strenghts (Stärken)

  • Hoch diversifizierte Wirtschaft
  • Junge, gut ausgebildete Bevölkerung (jährlich soviel neu graduierte Ingenieure wie in den USA)
  • Internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit
  • Politische Stabilität in einer sonst instabilen Region

Weaknesses (Schwächen)

  • Zögerliche Umsetzung von Modernisierungsprozessen in Wasser- und Landwirtschaft
  • Viele landwirtschaftliche Kleinbetriebe mit hohem Modernisierungsbedarf
  • Mangelnde Kontrolle des Wasserverbrauchs
  • Fehlendes Investitionskapital in Iran, Zurückhaltung internationaler Großbanken

Opportunities (Chancen)

  • Staatliche Förderung für moderne Bewässerungssysteme
  • Modernisierung und Ausbau von Wasser- und Abwasserwirtschaft
  • Umweltprojekte sind „Chefsache“ (z.B. Rettung des Urmia-Sees)
  • Ausbau von erneuerbaren Energien und Umwelttechnik

Threats (Risiken)

  • Niedriger Ölpreis hemmt staatliche Investitionen
  • Staatlicher Einfluss auf private Wirtschaft
  • Politische Instabilität in den Nachbarländern

Großes Potential für neue Arbeitsplätze

Innerhalb der Iran Wirtschaft erwirtschaftet die Landwirtschaft derzeit 9% der Bruttowertschöpfung des Landes und hat ein Potential  für ein jährliches Wachstum von 4% und 250000 neue Arbeitsplätze bis 2035. In den abgelaufenen 3  Wirtschaftsjahren (März 2014-März 2017) übertraf der Sektor Landwirtschaft und Fischerei sogar diese Schätzung von internationalen Experten und wuchs um durchschnittlich 5,5%. Derzeit sind 18% der iranischen Arbeitskräfte in der Landwirtschaft beschäftigt.

Wasserwirtschaft in Iran: Modernisierungsbedarf in der Landwirtschaft

Vielfalt

Unter den Produkten sind vor allem Pistazien, Safran (genannt „rotes Gold“) und Kaviar bekannt, aber auch Getreide und andere Feldfrüchte werden angebaut. Beim Safran werden 90-95% der weltweiten Erzeugung in Iran geerntet, 120-190 Tonnen jährlich. Aus 300 Blüten einer Krokusart gewinnt man gerade mal ein Gramm des kostbaren Gewürzes.  Bei Auberginen liegt Iran weltweit an fünfter Stelle. Im Bereich Getreide war Iran in den vergangenen Jahren, auch während der Sanktionen, das Hauptexportland Deutschlands. Iran exportiert aber seinerseits auch Weizen. Das Jahr 2016/17 brachte eine Rekordernte an Weizen von 14 Mio. Tonnen. Gerste, Tomaten, Reis und Kartoffeln sind ebenfalls landwirtschaftliche Erzeugnisse Irans. Milchprodukte werden von Iran noch importiert, auch aus Deutschland. Die Eigenproduktion soll hier ausgebaut werden. Bis 2019 will Iran insgesamt 2 Mio. Kühe und Zuchtstiere importieren und seine Milchproduktion von derzeit 8 Mio. Tonnen verdoppeln. Größere Milchfarmen sind weitgehend staatliche Betriebe, die kleineren privaten Milchbauern erzeugen weitgehend für den Eigenbedarf. Die Milchindustrie befindet sich zu 95% in staatlicher Hand.

Wasserwirtschaft und Landwirtschaft in Iran: Safran

Hoher Modernisierungsbedarf

Wasserwirtschaft und Landwirtschaft in Iran

In der Landwirtschaft besteht großer Modernisierungsbedarf, auch aufgrund der vielen Kleinbetriebe. Zwei Drittel der Landwirte sind Kleinbauern mit einer Betriebsgröße von durchschnittlich nur 4,9 Hektar (zum Vergleich Europa: 32 Hektar). Die Produktivität liegt deutlich unter der vergleichbarer  Länder wie z.B. der Türkei. Hier muss die Zusammenarbeit der kleinen Betriebe, z.B. durch gemeinsame Maschinenparks gefördert werden. Die Regierung sucht auch in diesem Bereich internationale Kooperationspartner, sowohl im Bereich des Handels als auch bei Investitionen in den Bereichen Biotechnologie, intelligenter Bewässerungstechnik und Gewächshauskulturen. Mit der vom Landwirtschaftsministerium angestrebten Verlagerung des gesamten Gemüseanbaus in Gewächshauskulturen, sollen jährlich bis zu 10 Mrd. Kubikmeter Wasser eingespart werden. 35% der landwirtschaftlichen Produktion werden bisher vernichtet, bedingt durch logistische Ineffektivität und inadäquate Produktionstechnologien.

Auseinandersetzungen innerhalb Irans gibt es um den Einsatz von genmanipuliertem Reis und Baumwolle – die Regierung hat dieses einerseits auf der Agenda des Fünfjahresplans, die Ministerien für Gesundheit und Umwelt lehnen es ab.

Wasserwirtschaft: Geprägt durch Mangel

Ein großes Problem Irans ist die Wasserknappheit in der Wasserwirtschaft Irans, wobei über 90% in der Landwirtschaft verbraucht werden. Diese muss ihre Anbauflächen auch zu 90% bewässern. Veraltete Methoden führen dabei zu Verschwendung der knappen Ressourcen. Die Regierung hat dieses Problem in ihren Fünfjahresplan 2016-2021 aufgenommen. Die Versorgung mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser ist in iranischen Städten zu fast 100% gewährleistet, im ländlichen Raum, in dem immerhin 30% der Bevölkerung leben zu ca. 74%. Die Abwasseraufbereitung ist in Iran noch unzureichend ausgebaut. Nur ein Fünftel der iranischen Bevölkerung ist an ein Kanalisationssystem angeschlossen (Stand 2011). Das gefährdet die Grundwasserressourcen zusätzlich.

Wasserwirtschaft in Iran: Wasserknappheit

Auswirkungen von Sanktionen und Klimawandel

Masoumeh Ebtekar, Vizepräsidentin, zuständig für Wasserwirtschaft

Masoomeh Ebtekar, Vizepräsidentin und Leiterin der iranischen Umweltbehörde beklagte, dass durch die Sanktionen der Vergangenheit auch die Modernisierung der Wasserwirtschaft nicht vorwärts gekommen sei, da auch landwirtschaftliche und Umwelttechnik sanktioniert wurden, obwohl diese mit dem Atomprogramm nichts zu tun hatten. Weite Teile Irans sind von jeher wüstenartig, aber der Klimawandel beeinträchtigt das Land besonders.  12 von 31 iranischen Provinzen sind in wenigen Jahren von völliger Austrocknung bedroht.

Iran weist nur ein Drittel der weltweit durchschnittlichen Niederschlagsmenge auf  – nach 15jähriger Dürre gab es in 2016 zwar wieder mehr Regen, aber langfristig betrachtet ist dieser um 2% zurückgegangen. Die Regierung fordert daher die Bevölkerung immer wieder zum Wassersparen auf, was aber angesichts der Bewässerungstechniken in der Landwirtschaft nur geringen Erfolg hat. 30% der erneuerbaren Wasserressourcen verdunsten einfach. Dabei stehen der Bevölkerungszahl Irans, die ca. 1% der Weltbevölkerung ausmacht, nur 0,36% der weltweiten Wasserressourcen zur Verfügung. Die Pro-Kopf-Verfügbarkeit von Wasserressourcen sank kontinuierlich von ca. 7000 cbm im Jahr 1956 auf heute unter 1900 cbm mit sinkender Tendenz.

Kleinbauern können sich die Investitionen in moderne Bewässerungssysteme nicht leisten und beklagen, dass die zugesagten staatlichen Zuschüsse ausbleiben.

Umstritten: Wasser-Transfer-Projekte in Iran

Eine umstrittene Möglichkeit, das dringend benötigte Wasser in Irans von Trockenheit betroffene Gebiete zu bringen, sind riesige Pipelines zum Transfer von Wasser, das vorher in Entsalzungsanlagen behandelt werden soll. Die Planung eines solchen Projektes mit einer Leitung vom kaspischen Meer, dem weltweit größten Binnengewässer in die größtenteils wüstenartige Provinz Semnan, deren nördliche Grenze 65 km und deren südliche Begrenzung 300 km vom kaspischen Meer entfernt liegen, wurde zu Regierungszeiten von Präsident Ahmadinejad begonnen, unter Präsident Rouhani doch zunächst auf Eis gelegt. Im Juli 2017 verkündete das iranische Umweltministerium, dass das Projekt gestoppt wurde.

 Wasserwirtschaft: Wasserpipeline, Beispielbild von picsbay

Grund waren Bedenken des Umweltministeriums und von Umweltaktivisten. Befürchtet wurde ein Ansteigen des Salzgehaltes und dass andere Anrainerstaaten der kaspischen See sich daran ein Beispiel nehmen und ebenfalls in großem Stil Wasser aus dem Binnenmeer entnehmen könnten. Azerbaidschan, Kasachstan, Russland und Turkmenistan haben Anteil am Kaspischen Meer. Der „Hycranische Wald“ ein Ökosystem von 55000 Quadratkilometern wäre durch das Projekt gefährdet worden. Iran erwartet, dass dieses Gebiet 2019 in das Welterbe der UNESCO aufgenommen wird.

Noch ambitionierter ist die Idee, Wasser vom Persischen Golf in insgesamt 16 Provinzen mit einer Bevölkerungszahl von insgesamt 47 Millionen zu transferieren. Im Frühjahr 2016 genehmigte Präsident Rouhani 400 Mio. US$ um das Projekt anzuschieben. Es soll  in mehreren Abschnitten durchgeführt werden, wovon die meisten noch in Planung befindlich sind. Bauarbeiten für die Pipeline vom Golf von Oman in den nördlichen Teil der Provinz Sitan-Balutchistan haben schon begonnen, 192 km Tunnel sind hier fertiggestellt.

Im Bereich der Meerwasserentsalzung hat Iran als fünftes Land weltweit (nach den USA, Deutschland, Süd-Korea und Japan), die Umkehr-Osmose-Technologie in Eigenleistung entwickelt. Alle Bestandteile, wie die Membranen werden in Iran hergestellt. Bisher wird diese Technik nur zur Wiederaufbereitung und -verwendung von industriellen Abwässern genutzt. Eine enge Zusammenarbeit im Bereich der Meerwasserentsalzung pflegt Iran mit der Republik Südafrika. Vereinbarungen dazu hat Iran auch mit den Niederlanden getroffen.

Wasserwirtschaft in Iran: Wassertransfer

Internationale Partner in der Wasserwirtschaft

Hoffnung für den Urmia-See

Bereits kurz nach dem Amtsantritt Präsident Rouhanis wurde eine Kooperation zur Rettung des Urmia-Sees mit deutschen Wissenschaftlern vereinbart. Auch japanische Wissenschaftler sind beteiligt. Dieses Biosphärenreservat der UNESCO – der zweitgrößte Salzsee der Erde nach dem Toten Meer – ist durch  40 Staudämme und 18000 meist illegale Brunnen von vollständiger Austrocknung bedroht. In 2015 verkündete der stellvertretende Energieminister, Rahim Meidani, dass die Umleitung mehrerer Flüsse zur Regeneration des Sees vor der Fertigstellung stünde. Innerhalb von 10 Jahren soll der See damit ausreichend Wasser erhalten um als gerettet zu gelten.

Im Jahr 2016 hat Iran mehrere Kooperationsabkommen zum Wassermanagement mit anderen Staaten abgeschlossen, Frankreich, Schweden und Südafrika sind dabei mit Iran ins Geschäft gekommen, sowohl im Bereich Energieerzeugung durch Wasser, als auch im Management des Wasserbrauchs und der Abwasseraufbereitung. Auch mit Australien hat Iran ein Memorandum über die Zusammenarbeit beim Management von Wasserressourcen und bei der Wasser-Verbrauchsoptimierung unterzeichnet. Hierbei wies der iranische Energieminister auf die klimatischen Ähnlichkeiten beider Länder hin.

Wasserwirtschaft: Bundesumweltministerin Hendricks

Im Oktober 2016 war Masoumeh Ebtekar zu Gast in Deutschland und unterzeichnete mit der deutschen Umweltministerin Barbara Hendricks  ein Abkommen  in den Bereichen Wasserwirtschaft, und „Natur und Naturressourcen“,  insbesondere Bewahrung   biologischer Vielfalt, Bewahrung der Nationalparks und Schutzgebiete.

Integriertes Wasserressourcen-Management Zayandeh Rud

Zayandeh Rud – Lebensader Zentralirans

Wasserwirtschaft: Zayandeh Rud in Isfahan, Bild Tasnim news

Das Einzugsgebiet des Zayandeh Rud beträgt ca. 26000 qkm und umfasst sehr unterschiedliche klimatisch und ökologische Bedingungen. Der Klimawandel mit extremen Trockenperioden haben in den letzten Jahren zu deutlich sinkenden Wasserpegel geführt, so dass der Fluss in Isfahan mehrere Male kein Wasser mehr führte.

Gleichzeitig gibt es im Einzugsgebiet unterschiedliche Interessen in der Wasserwirtschaft, durch Bevölkerungswachstum mit steigendem Trinkwasserbedarf, industrielles Wachstum und die auf Bewässerung angewiesene Landwirtschaft.

Den Fluss Zayandeh Rud kennt jeder, der schon einmal das UNESCO-Weltkulturerbe Isfahan besucht, oder auf Bildern bewundert hat. Dieser 355 km lange Fluss entsteht aus dem Zusammenfluss mehrerer kleinerer und größerer Flüsse im Zagros-Gebirge in der Provinz Chaharmahal-va-Bakhtiary in 4000 m Höhe, passiert auf seinem Weg trockene und halbtrockene Gebiete und mündet in den Salzsee Gav Khuni, einem international anerkannten Feuchtgebiet und Rastplatz des Vogelzuges.

Wasserwirtschaft: Zayandeh Rud in Isfahan, Bild Tasnim news

Angewiesen auf die Versorgung durch den Zayandeh Rud sind ca. 4,5 Mio. Menschen, das zweitgrößte Industriegebiet Irans und 260000 ha landwirtschaftliche Fläche.

IWRM – Ein Projekt unter Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Das BMBF fördert in mehreren Abschnitten das integrierte Wasserressourcen Management, zunächst in der Provinz Isfahan (2010-2015), anschließend für das gesamte Einzugsgebiet des Zayandeh Rud. Das BMBF beabsichtigt mit der Fördermaßnahme das Konzept des IWRM in Entwicklungs- und Schwellenländern zu stärken.  Neben einer Verbesserung der Versorgung der in diesen Gebieten lebenden Menschen, soll die internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Wasserwirtschaft gestärkt  und der Marktzugang für deutsche Firmen erleichtert werden.

zayandehroudIn der ersten Projektphase wurde zunächst die wasserwirtschaftliche Ist-Situation unter Berücksichtigung technischer, organisatorischer und sozio-ökonomischer Hinsicht erfasst und analysiert. Aus diesen Ergebnissen wurde ein Entscheidungshilfesystem (Wasserbewirtschaftungstools) zur quantitativen Simulation der Wasserressourcen und zu den sozio-ökonomischen Einflussfaktoren entwickelt. Mit Hilfe dieser Tools sollen die Entscheidungsträger vor Ort und die Projektpartner in die Lage versetzt werden, mit allen Nutzergruppen eine nachhaltige Ressourcennutzung zu entwickeln. Ein technischer Schwerpunkt war z.B. das gereinigte Abwasser der vorhandenen, aber überlasteten Abwasserkläranlagen in Isfahan in einem Pilotprojekt mit moderner Membrantechnologie aus Deutschland so zu reinigen, dass es für die Landwirtschaft wiederverwendet werden kann.

In der zweiten Projektphase werden die langfristigen Wechselwirkungen zwischen der Grundwassernutzung, Gewässergüte und Klimawandel untersucht. In einer dritten Phase sollen dann die Ergebnisse in klimatisch ähnliche Regionen im gesamten zentralasiatischen Raum übertragen werden.

Entwicklung der Wasserwirtschaft in Iran

Iran hat beim Staudammbau eine Jahrtausende lange Erfahrung. Die Überreste eines 55 Meter langen und 26 Meter hohen Staudamms kann man in der Provinz Qom besichtigen. Die im 14. Jh. n. Chr. erbaute Kurit-Talsperre in Süd-Khorasan war mit 65 m Höhe bis ins 20. Jh. n. Chr. die höchste Staumauer der Welt und überstand 1978 ein Erdbeben der Stärke 7,8 unbeschädigt. Heute benennen Umweltschützer allerdings den Bau von immer mehr Staudämmen als belastenden Faktor für die Wasserknappheit. Am Ende der Schahzeit hatte Iran 18 Staudämme, mittlerweile sind es 647. Mehr noch sind im Bau oder in Planung, sodass es praktisch keine fließenden Gewässer mehr gibt. Allein zum Ende des derzeitigen iranischen Jahres, das am 20.3.2017 endet, sollen weitere 50 Staudämme eröffnet worden sein, berichtete der Vorsitzende der Iran Water Resources Management Company, Mohammad Hajrasooliha.

Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts n.Chr. gab es in Iran keine Kanalisationssysteme. Kurz vor der islamischen Revolution 1979 wurden in Teheran und Isfahan Kläranlagen gebaut. Bedingt durch den Iran-Irak Krieg kam diese Entwicklung zum Stillstand. In den 90er Jahren wurde mit der Gründung von städtischen Unternehmen zum Wassermanagement und zur Abwasseraufbereitung begonnen. Zwischen 1996 und 2005 wurde die Zahl der Kläranlagen vervierfacht. Die Versorgung der Bevölkerung mit Kanalisationsanschlüssen ist jedoch regional sehr unterschiedlich. Die Planung der Regierung sieht für die nächsten Jahre einen Ausbau der Abwasseraufbereitung für 500 Städte vor.

Zum Ausbau und Management dieses für die Wirtschaft und den Umweltschutz so wichtigen Bereichs fehlt es an Fachkräften. Hierzu wurden in den letzten Jahren mit internationaler Hilfe eine Reihe von Programmen zur Qualifizierung gestartet, z.B. von der Teheraner Power and Water University of Technology in Zusammenarbeit mit der UNESCO. Ein deutsch-iranisches Kompetenzzentrum für Wasser und Abwasser arbeitet an der Aus- und Fortbildung und an einem Integrierten Wasserressourcen-Management. Im Bildungszentrum Isfahan werden Aus-, Weiterbildungs- und Studiengänge angeboten, in Pilotprojekten kommt deutsche Technologie zum Einsatz. Auch bei der Erfassung von Daten zum Wasserverbrauch, kooperiert Iran mit deutschen Unternehmen und setzt Online-Messsysteme ein.

Ausbaubedarf: Abwasserbehandlung in Iran

Zuständigkeiten in der Abwasser- und Wasserwirtschaft

Die Verantwortlichkeiten für die Bereiche „Wasser und Abwasser“ liegen in Iran beim Energieministerium. Innerhalb des Ministeriums ist das „Water Affairs Department (WAD)“ zuständig für die Überwachung und Koordination der Planung, Entwicklung, das Management und den Schutz der Wasserressourcen.  Seine Unterabteilungen sind die „Water Ressources Management Company“(WRMC), 11 „Provincial Water Authorities (PWA)“, und die „Irrigation and Drainage Operationn and Maintenance Companies (O&M)“. Ausführendes Organ für die Projekte ist die „National Water & Wastewater Engineering Company (NWWEC)“, mit ihren regionalen Ablegern (34 für den städtischen und 30 für den ländlichen Raum).

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Die WRMC ist die Muttergesellschaft die für alle Wasserangelegenheiten mit Ausnahme der Trinkwasserversorgung. Die PWAs sind zuständig für die Wasserwirtschaft in allen Provinzen, eingeschließlich derr Angelegenheiten von Be- und Entwässerung., während die WWEC in den Provinzen sowohl für die Trinkwasserversorgung, als auch für die Abwasserbehandlung Verantwortung tragen. Die NWWEC führt Aufsicht über lokale Versorger und berät bei der Plannung von Investitionen, Entwicklung der menschlichen Ressourcen und bei der Etablierung von standardisierten Systemen und Abläufen. Die Entscheidungsfreiheit der regionalen WWEC ist dabei begrenzt.nwwec Für die Zuteilung von Wasser an die Landwirtschaft, ist wiederum das Landwirtschaftsministerium zuständig, während das Gesundheitsministerium die Standards für die Reinheit des Trinkwassers setzt und überwacht.

Die Abteilung für Umweltschutz (Environmental Protection Organization) ist in Fragen des Umweltschutzes und der Wasserverschmutzung involviert, sowie bei der Überwachung der Auswirkungen von Bewässerungs- und Wasserkraftprojekten.

Abrechnungsmethoden in der Wasserwirtschaft

Das derzeitige Abrechnungssystem basiert auf Festpreisen die in Abhängigkeit von der Größe der Versorgungsleitungen und der Art des Abnehmers (Haushalt oder andere erstellt werden und auf einem Block-Tarif: der sich mit zunehmendem Verbrauch erhöht. 70% der Rechnungen werden für Nachbarschaftskollektive erhoben. Grundsätzlich zu niedrige Tarife und mangelnde Eintreibung der Gebühren führen dazu, dass die regionalen WWEC allesamt Verluste erwirtschaften.  Ein Problem dass von Regierungsseite erkannt wurde. Folglich wird an der Einführung von modernen Abrechnungsmethoden gearbeitet und um Investitionen aus dem privaten Sektor geworben.

Behandlungsmethoden und Wiederverwendung

Der größte Teil der Abwasserbehandlung erfolgt durch aeroben und anaeroben Abbau. Deponierung und Kompostierung unter Einsatz von Entwässerungstechniken sind danach die am meisten verbreiteten  Methoden. Die regionalen WWEC beliefern Landwirte mit dem behandelten Klärschlamm zu Düngezwecken. Für die Risikoüberwachung ist in diesen Angelegenheiten eine Forschungsabteilung des  Landwirtschaftsministerium zuständig.

Beschaffungspolitik in der Abwasser- und Wasserwirtschaft

Iran setzt auch im Bereich  der Abwasserbehandlung auf Technologietransfer, statt auf reine Beschaffung von Materialien und Technologien aus dem Ausland. Die Sanktionen haben, wie in vielen Bereichen, zu verstärkter Eigenproduktion geführt. Gesucht werden allerdings ausländische Investoren, die sich langfristig engagieren. Ausgeschrieben werden Verträge mit 25jähriger Laufzeit, bei einer geplanten Bauzeit von drei Jahren.

Wasserwirtschaft in Iran: Abwasseraufbereitung

Unbehandeltes Abwasser gelangt über Sickergruben noch häufig an die Grundwasserreserven und wird als Mischwasser für die landwirtschaftliche Bewässerung verwendet.  Eine direkte Wiederverwendung zur Bewässerung kommt seltener vor.

Unzureichende Kapazitäten

Trotz hoher Investitionen bleibt in Iran derzeit noch über die Hälfte des Abwassers unbehandelt. Im ländlichen Bereich zählt die NWWEC 60315  Dörfer (2012). 42% der Bevölkerung waren dort an Abwassersysteme angeschlossen. Der städtische Bereich (263 Städte) lag knapp darunter. en3Längst nicht alles gesammelte Abwasser wird aufbereitet. In Zahlen bedeutet das, dass von täglich mehr als 200.000 Kubikmetern anfallendem Schlamm, beinhaltend  Fäkalien und septische Abfälle, nur 80000 Kubikmeter in irgendeiner Weise behandelt werden.

Städtische Abwässer – wenn behandelt – durchlaufen in der Regel zwei Aufbereitungsphasen. Geschätzte 90% des aufbereiteten Abwassers wird in irgendeiner Weise wiederverwendet und wird dabei häufig mit Frischwasser vermischt, vor allem in Vorstadtgebieten.

In Teheran, wo derzeit geschätzte 14 Mio. Einwohner (20% der Gesamtbevölkerung) leben, sind weniger als 6 Mio. an die Kanalisation angeschlossen. tehran-642743_1280Neun staatliche Kläranlagen arbeiten in der Hauptstadt, im Süden der Stadt wurde in letzter Zeit das Abwassernetzwerk um 300 km erweitert (Anschluss für ca. 1 Mio. Menschen) und zwei neue Module gingen in Produktion, zwei weitere sind geplant. Insgesamt sollen bis 2031 22 neue Klärmodule für die Hauptstadt erstellt werden, verteilt auf 12 Klärwerke und damit 11 Mio. Einwohner erreicht werden. Allerdings wächst die Stadt weiter und bis dahin wird die Einwohnerzahl geschätzt auf 20 Mio. angestiegen sein.

Im Bereich des industriellen Abwassers bestehen ebenfalls große Probleme, beginnend mit mangelnder Aufklärung über die wirklichen Kosten dieser Abwässer, über Mangel an Wiederaufbereitungsanlagen, hin zu illegaler Entsorgung. Weniger als 30% des industriellen Abwassers wird effizient aufbereitet.

Quellen:  Top Agrar online, McKinseyGlobal Institute, ARD, Shahrooz Mohajeri und Axel Dierich (Institut für Ressourcenmanagement inter 3) , Pars Today, IWF, German Water Partnership, BMWi, Deutsche Welle, farsnews, Iranbild, Die Zeit, Bundesministerium für Bildung und Forschung, gtai, National Water and Wastewater Company of Iran, Massoud Tajrishi, Tasnim news, Guardian, Iranian water wastewater Engineering Company, Iranisches Energieministerium,  Projektseite IWRM, Inter3, Institut für sozial-ökologische Forschung, Global Water Partnership, PressTV

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