Iran Wirtschaft 2017 2017-11-15T09:03:12+00:00

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Iran SWOT-Analyse

Strenghts (Stärken)

  • Große Rohstoffreserven (Öl, Gas und andere Bodenschätze)
  • Hoch diversifizierte Wirtschaft
  • Junge, gut ausgebildete Bevölkerung
  • Traditionell gute Beziehungen zu Deutschland
  • Politische Stabilität in einer ansonsten instabilen Region

Weaknesses (Schwächen)

  • Zäher Privatisierungsprozess und Reformstau

  • Hohe Bürokratie, Korruption
  • Bankensystem reformierungsbedürftig

  • Zurückhaltung iranischer privater Investoren, staatliche Investitionen durch interne politische Auseinandersetzung gehemmt

Opportunities (Chancen)

  • Hohe Investitionen in die Schlüsselindustrien Öl und Gas, „Iran Petroleum Contract“ (IPC) ermöglicht langfristige Beteiligung ausländischer Firmen.
  • Modernisierung und Ausbau der verarbeitenden Industrien
  • Große Verkehrsinfrastrukturprojekte
  • Ausbau von erneuerbaren Energien und Umwelttechnik
  • Ausbau/Modernisierung des Gesundheitswesens
  • Etablierung Irans als Brückenkopf für Import/Export/Produktion der angrenzenden Länder

Threats (Risiken)

  • Niedriger Ölpreis hemmt staatliche Investitionen

  • Staatlicher Einfluss auf die private Wirtschaft

  • Politische Instabilität in den Nachbarländern
  • Neue Sanktionen durch die USA trotz „Atomvertrag“ (JCPoA)

Bedingungen für ausländische Geschäftspartner

Wachstumsmarkt mit guten Aussichten

Deutsche und europäische Lieferanten können nach der weitgehenden Aufhebung der Sanktionen wieder auf steigende Ausfuhren nach Iran hoffen. Der iranische Markt ist größer als die Wachstumsmärkte in Südafrika und Thailand. Die Iraner wünschen sich westliches Know-how und Qualität. Unternehmer, die über die Zeit der Sanktionen ihre persönlichen Kontakte nach Iran gepflegt haben,  profitieren jetzt besonders. Diese loben besonders die gute Ausbildung iranischer Ingenieure.

Die Iran Wirtschaft ist zu ca. 80% in staatlicher, bzw. quasi staatlicher Hand (religiöse Stiftungen). Privatisierungsbestrebungen gibt es seit vielen Jahren. Die iranische Verfassung (§44) schreibt diese vor, sie kommt aber nur schleppend voran.

Ausländische Investoren sind geschützt

Der „Foreign Investment Promotion and Protection Act“ (FIPPA) gewährt ausländischen Investoren bei genehmigten Projekten weitgehend gleiche Rechte wie inländischen Investoren und schützt bei Verzögerungen oder Abbruch von Projekten, sowie auch bei Enteignungen. Eine Besonderheit: Ausländer können Besitz an Gebäuden, Maschinen und Produktionsanlagen erwerben, jedoch keinen Grundbesitz.

Iranische Behörden haben eine 50%ige Steuerreduzierung und andere Anreize für ausländische Investoren, die Fabriken im Iran bauen und von ihren Produkten mehr als 30% exportieren, angekündigt.

In Iran beträgt die Mehrwertsteuer 9%, die Körperschaftssteuer 25%, mit Deutschland gibt es ein Doppelbesteuerungsabkommen.

Traditionell gute Beziehungen zu Deutschland

Iran Wirtschaft: iranische und deutsche Fahne

Bis 2007 war Deutschland der wichtigste ausländische Handelspartner der staatlichen und privaten Iran Wirtschaft, dann wurde es  von der VR China überholt. Im Zuge des Sanktionsregimes sanken die deutschen Ausfuhren nach Iran um über die Hälfte. Innerhalb der EU ist Deutschland immer noch der größte Exporteur nach Iran und die Zahlen sind vielversprechend: in 2016 sind die deutschen Exporte nach Iran um 25,59 % angestiegen, verglichen mit dem gleichen Vorjahreszeitraum. Deutschland ist damit der fünftgrößte Exporteur nach Iran. Maschinen, Chemische Erzeugnisse, Pharmazeutische und ähnliche Erzeugnisse, KFZ und KFZ-Teile sind dabei die Hauptexportgüter nach Iran.

Derzeit importiert Iran zu fast 70% aus asiatischen Ländern, 28% der Importe kommen aus Europa. Exportiert hat Iran während der Sanktionen seine Öl- und Gasausfuhren ausschließlich nach Asien, Nicht-Ölexporte gehen ebenfalls zu 87% nach Asien. Die iranischen Nicht-Ölexporte nach Deutschland sind in 2016 um knapp 5,5,% gesunken, während der Ölhandel nach den Sanktionen einen Aufschwung erfährt. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Doing Business Index der Weltbank – Iran im regionalen Vergleich

Der „Doing Business“ Index der Weltbank zeigt, wie leicht sich ein Geschäft in den untersuchten Staaten aufbauen und führen lässt. Im weltweiten Ranking 2017 belegt die Iran Wirtschaft Platz 120 von 190, und liegt im regionalen (MENA) Vergleich knapp über dem Durchschnitt und fast gleichauf mit Jordanien, wurde aber im Vergleich zum Index 2016 von Saudi-Arabien überholt.

(Quelle: Weltbank, Werte gerundet)

VAE (Rang 26) 77%
SA (Rang 94) 61%
Jordanien (Rang 118) 58%
Iran (Rang 120) 57%
MENA im Durchschnitt 56%
Irak (Rang 165) 46%

Wirtschaftliche Erholung

Iran Wirtschaft: Außenhandel 2016/2017

Irans Einfuhren stiegen nach einem 19%igen Einbruch im ersten Halbjahr 2016 in der zweiten Jahreshälfte, erreichten allerdings noch nicht ganz das Niveau von 2015. Allerdings stiegen die Einfuhren aus der EU um 27,8%  (ges. 8,2 Mrd. Euro). Am meisten importierte Iran aus den Vereinigten arabischen Emiraten (31%). Hierbei handelt es sich überwiegend um Re-Exporte über Dubai. Dieser Weg wird von vielen Firmen angesichts der weiterhin bestehenden Probleme bei der Zahlungsabwicklung beschritten. Die Importe aus China stiegen nach einem Einbruch in 2016 in der ersten Jahreshälfte 2017/18 wieder an (+16,5%/5,7 Mrd. USD). 24% der iranischen Gesamtimporte kamen somit aus China,gefolgt von Südkorea, der Türkei und dann – führend in der EU – Deutschland, das seinen Export nach Iran um 31% in 2016 steigerte und seine führende Position bei den Exporten nach Iran aus der EU in 2017 festigte. Waren für 1,6 Mrd. Euro gingen in den ersten sieben Monaten von 2017 nach Iran, eine Steigerung von 23%. Für das gesamte Jahr 2017 werden Iran-Exporte von 3 Mrd. Euro aus Deutschland erwartet. Italien lieferte für 1 Mrd. Euro (+25%) und Frankreich für 0,9 Mrd. Euro, ein Anstieg von 147% der auf die ersten Lieferungen der bestellten Airbus-Maschinen zurückzuführen ist.

Im ersten Quartal 2017 überholte allerdings Italien erstmalig Deutschland als führenden Handelspartner der Iran Wirtschaft im Handelsvolumen! Hierbei importierte Italien doppelt soviel aus Iran, wie es dorthin exportierte, in den letzten 10 Jahren war das Verhältnis umgekehrt. Im November lag das bilaterale Handelsvolumen für das laufende Jahr zwischen Deutschland und Iran bei 2,8 Mrd. Euro.

Die iranischen Exporte haben sich durch die gestiegenen Ölexporte deutlich erholt. Aber auch im Bereich der Nicht-Öl-Exporte werden erhebliche Steigerungen verzeichnet – im Bereich der Gas-Kondensate sogar  um 100% (Wert 41 MioUSD). Petrochemische Produkte machen 22% der iranischen Exporte aus und brachten im Fiskaljahr 2016/17  11,7 Mrd. USD ein. Am meisten importierten die EU-Länder Eisen- und Stahlprodukte (+58% – in Teilbereichen sogar +87%, Gesamtwert 116 Mio. USD).Der deutsche Import von Nicht-Öl-Produkten aus Iran sank gegen den EU-Trend in 2016 um 5,49%. Insgesamt stiegen die iranischen Exporte in die EU in der ersten Hälfte des Jahres 2017 auf 5 Mrd.Euro an (Vorjahreszeitraum: 1,54 Mrd.Euro).

Iran Wirtschaft: Außenhandel - Statistik Nicht-Öl-Exporte

Entwicklung des BIP

Der internationale Währungsfonds bezifferte Irans reales Wachstum zum Ende iranischen Fiskaljahres am 19.3.2017 auf 6,6%. Die inneriranischen Angaben sind widersprüchlich: Die iranische Zentralbank sieht ein reales Wachstum von 11,9%, rechnet man aber den Ölsektor (+65,9%) heraus, nur von 1,9%. Die Statistikbehörde wiederum sieht 7,2% Anstieg des BIP, ohne den Ölsektor noch 5%.

Für 2017 prognostiziert die Weltbank 5,2% Wachstum der Iran Wirtschaft, die Regierung erwartet 6,2%, betont aber die Abhängigkeit vom Ölpreis. Die Inflationsrate liegt derzeit lt. Regierung bei 9,5%, und wird nach Regierungsschätzung im neuen Jahr bei 9,8% liegen. Der IWF prognostiziert etwas höher mit knapp über 11%. Die wieder leicht gestiegene Inflation hängt auch mit der 12%igen Abwertung der iranischen Währung im August 2016 zusammen. Der private Konsum macht gut die Hälfte des BDP aus (lt. Weltbank 50,6% in 2014). In diesem Bereich erwartet BMI-Research in den nächsten drei Jahren jährliche Zuwächse um 5%, während für den öffentlichen Sektor Wachstumsraten von 3-4% erwartet werden. Der hohe inländische Verbrauch von Öl und Gas hat negative Auswirkungen auf Irans Exportkapazitäten. Für den Export wird in den nächsten drei Jahren ein Wachstum zwischen 7,1 und 9,3% erwartet. Erwartungsgemäß wuchs der Öl- und Gassektor nach Ende der Sanktionen in großem Ausmaß und wurde auf 61,3% beziffert. Iran hat eine diversifizierte Wirtschaft: in 2014 erwirtschaftete der Ölsektor 15% des BIP (zum Vergleich Saudi-Arabien 43%), Industrie, Bergbau und Bauwirtschaft zusammen 23%, Landwirtschaft 9% und Dienstleistungssektor 53%.

Iran Wirtschaft Bild zeigt Entwicklung des BIP

Iran Wirtschaft: Höchste Priorität

Die iranische Regierung plant Investitionen in die Iran Wirtschaft in Höhe von 1000 Milliarden USD bis 2021 (5-Jahresplan). mit einem Drittel ausländischer Direktinvestitionen, verbunden mit Technologietransfer und erheblichen Produktivitätssteigerungen. Nach den Sanktionslockerungen hat Iran im Wirtschaftsjahr 2016/17 bisher 14 Mrd. USD an ausländische Direktinvestment eingeworben. Das ist mehr als eine Vervierfachung im Vergleich zu 2013.

Das Weltwirtschaftsforum attestierte in seinem Index zur Wettbewerbsfähigkeit Iran eine Verbesserung um 7 Punkte seit 2014, somit liegt das Land in 2017 auf dem 69. Platz von 137 untersuchten Ländern.

Die Iran Wirtschaft hat auch in den Augen des iranischen Staatsoberhauptes Ayatollah Chamene´i höchste Priorität, um die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern und das Land zu stabilisieren. In seiner Neujahrsansprache zum iranischen Neujahr 1396 (2017) nannte er zum wiederholten Male die Stärkung der inländischen Produktion als wesentlich für die Entwicklung des Landes und die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Die Leitlinie die das Staatsoberhaupt Irans vorgibt, hat praktische Auswirkungen auf das Vorgehen der Regierung und die Gesetzgebung. So kann man in verschiedenen Bereichen die Förderung der Inlandsproduktion erkennen, wie z.B. bei erhöhten Einspeisevergütungen für Erneuerbare Energien oder bei der Beschränkung von Automobilimporten auf Hersteller, die auch in Iran fertigen lassen.

Iran Wirtschaft: Milad Tower in Teheran

2. Hälfte 2017: Bewegung in den Bankenkooperationen

Iran Wirtschaft: Österreichische Flagge - Österreichische Bank investiert in IranIm September unterzeichnete die österreichische Regionalbank Oberbank ein Abkommen mit 14 iranischen Banken im Wert von 1 Mrd. Euro zur Finanzierung von zivilen Projekten in Iran. Ebenfalls im September: die Danske Bank kündigte einen Kreditrahmen von einer halben Milliarde Euro für iranische Banken an und  die staatliche französische Investmentbank BPI erklärte, ab 2018 jährlich eine halbe Milliarde Euro für Investitionen in Iran zur Verfügung zu stellen,  Ebenso wie der Deal mit Total anderen Konzerne ermutigte, sich um Projekte in Iran zu bewerben, werden diese Schritte europäischer Banken andere Finanzinstitute auf den Plan rufen, die sich bisher gescheut haben angesichts anhaltender US-Sanktionen in Iran zu investieren. Denn ansonsten werden asiatische Investoren das Geschäft machen: ebenfalls im September wurde bekannt, dass der chinesische CITIC-Trust 10 Mrd. USD in iranische Bauprojekte investieren wird.

Nach der Sepah Bank und der Bank Saderat stehen zwei iranische Banken stehen davor, Niederlassungen in Frankfurt zu gründen (Saman Bank und Parsian Bank). Die iranisch-europäische Handelsbank und die Bank Melli haben ihren Sitz in Hamburg. Die iranischen Banken in Europa planen außerdem eine Vereinigung zu gründen.

Iran Wirtschaft: Sanktionen

Iran Embargo

Alle Sanktionen der UN und der EU die wegen des iranischen Atomprogramms eingesetzt wurden, sind ausgesetzt oder beendet. Weiter in Kraft sind Sanktionen die wegen Unterstützung terroristischer Aktivitäten eingesetzt wurden. Trotz der erfolgten Lockerungen der Sanktionen sind besondere Regelungen zu beachten.

Laut EU (EU-Verordnung Nr. 267/2012;EU-Durchführungsverordnung 2016/74) sind weiterhin einige Personen und Banken von Sanktionen betroffen,  wie die die Ansar Bank und die Mehr Bank. Die Bank Saderat wurde Anfang 2017 von der Sanktionsliste der EU genommen.  Auf unserer Seite zum Iran Embargo finden sie ausführliche Informationen zu den Auswirkungen der Sanktionen auf die Iran Wirtschaft, aber auch zur geschichtlichen Entwicklung der Sanktionen.

Herausforderungen in der Iran Wirtschaft

Achtung Sanktionsfalle: die Revolutionsgarden!

Im Falle der Zusammenarbeit mit Firmen oder Personen die auf US-Sanktionslisten stehen, drohen US-Sanktionen auch für Firmen außerhalb der USA. Bestimmte Güter, die zu mindestens 10% aus den USA stammen,  dürfen auch dann nicht in den Iran exportiert werden, wenn das handelnde Unternehmen seinen Sitz außerhalb der USA hat. Es empfiehlt sich also, regelmäßig die Sanktionslisten zu überprüfen.

Die Pasdaran (Revolutionsgarden) – sind eine zweite Streitmacht neben der regulären iranischen Armee. Sie spielen  seit dem Wiederaufbau nach dem Irak-Iran Krieg eine große Rolle in der Iran Wirtschaft. Da sie Ihre ökonomischen Tätigkeiten zu einem großen Teil über ihre Rentenkassen abwickeln, gelten sie nicht als staatliche Einrichtungen. Diese Gesellschaften bestehen aus dem angesammelten Kleinkapital ihrer Mitglieder. Sie profitieren somit von der verfassungsmäßig geforderten Privatisierung – ein Grund dafür, dass das Vorgehen oft als „unechte“ Privatisierung bezeichnet wird. Hier ist Vorsicht geboten: die Revolutionsgarden und ihnen zuzuordnende Organisationen unterliegen weiterhin Sanktionen von US-Seite!

Arbeitslosigkeit

Die offizielle Arbeitslosenquote in Iran ist in 2017 wieder leicht angestiegen auf 12,6% im ersten Quartal des iranischen Jahres und liegt im städtischen Raum sogar bei 14,4%, in den ländlichen Gebieten dagegen nur bei 7,8%. Frauen sind häufiger arbeitssuchend als Männer. Der IWF rechnet in den Jahren bis 2019/20  mit Quoten um 12%.  Besonders betroffen ist hier die Jugend mit einer Quote von aktuell 26,4%. Neben den offiziell registrierten Arbeitslosen wird der Anteil der unterbeschäftigten Personen mit über 10% veranschlagt. Damit wären dann über 21% der 25 Mio. Menschen in der Erwerbsbevölkerung arbeitslos oder unterbeschäftigt, ungefähr 5,3 Mio. Die Forschungsgruppe des iranischen Parlaments geht sogar von 6,5 Mio. aus.  Es wurden zwar im vergangenen Jahr 0,7 Mio. neue Arbeitsplätze geschaffen, gleichzeitig wuchs aber die Erwerbsbevölkerung um 0,9 Mio. In den nächsten Jahren werden 2,2 Mio. junge Menschen in den Arbeitsmarkt strömen. Das McKinsey Global Institute sieht ein Potential von 9 Mio. neuen Arbeitsplätzen in Iran, wenn die Entwicklung optimal verläuft. Dem steht aber die anhaltende Investitionsschwäche derzeit noch entgegen. Das Arbeitsministerium hat für das laufende Jahr 971.000 neue Arbeitsplätze versprochen.

Korruption

Im weltweiten Korruptionsindex 2016 von Transparency International teilt sich  Iran den 131. Platz von 176 mit Kasachstan, Nepal, Russland und der Ukraine und liegt dabei regional im Mittelfeld.

Dass die Wirtschaft sich überwiegend in staatlicher Hand befindet wird als eine Ursache der Korruption und Vetternwirtschaft angesehen. Entsprechend gibt es viel Widerstand gegen die von der Verfassung vorgeschriebene Privatisierung, diese befindet sich jetzt aber trotzdem im Endspurt. Der Arbeitsminister kündigte an, dass die verbliebenen 323 von 1713 Firmen auf der Privatisierungsliste im Kalenderjahr 2016/17 abgegeben werden sollen.

Bankenprobleme der Iran Wirtschaft hemmen Investitionen

Iran Wirtschaft: Zentralbank Irans

In Iran gibt es 25 Privat- und 9 staatliche Banken. Dazu gab es aber einen großen Sektor von inoffiziellen Geld- und Kreditinstituten, gegen die die Staatsanwaltschaft und Regierung in den letzten Jahren vorgegangen sind.

Notleidende Kredite der Banken in Höhe von 33,9 Mrd. USD belasten die Iran Wirtschaft. Ihr Anteil an den laufenden Krediten ist steigend (März 2017 10,2% -April 2917 11,6%). Über die Lösung dieses Problems gibt es – nicht verwunderlich – verschiedene Meinungen.

Soll die iranische Zentralbank mehr Geld in Umlauf bringen und damit nicht nur die Banken mit mehr Liquidität versehen, sondern auch die endlich gesunkene Inflationsrate ankurbeln? Oder sind eher Strukturreformen dringend und dass die Banken sich um ihre risikobehafteten Vermögenswerte kümmern? Letzteres war Inhalt der Strategie der letzten Jahre, ohne dass die Probleme bisher gelöst werden konnten.

Auch die Zentralbank vertritt eine Position, die vor der Gefahr der steigenden Inflation durch Vermehrung der Geldmengen warnt und fordert die Banken auf, ihre Außenstände mit mehr Nachdruck einzutreiben. Zentralbankchef Seif kritisierte in diesem Zusammenhang, dass anscheinend einige große Schuldner sehr intensive Kontakte zu Bankmanagern hätten. Seine Wurzeln soll das Problem in der Zeit der Regierung des früheren Präsidenten Ahmadinejad haben, in der die Banken aufgefordert wurden, einflussreichen Personen Kredite zu gewähren, von denen einige gefälschte Sicherheiten zur Verfügung stellten, so dass den Banken jetzt die Druckmittel fehlen.

Seif forderte ebenfalls die Justiz auf, bei Fällen von Konkurs genau hinzuschauen, da einige Schuldner wohl mit solchen Erklärungen versuchten, der Rückzahlung ihrer Schulden zu entgehen. Ein Parlamentssprecher erklärte, dass die Fälle von Insolvenz in den letzten zwei Jahren um 700% angestiegen seien. Es gab einige schwerwiegende Fälle von Korruption, die im Zuge besserer Bankenaufsicht aufgedeckt wurden und großes öffentliches Aufsehen erregten. Diese Bankenaufsicht soll ausgebaut werden und die Zentralbank wurde aaufgefordert, der Regierung zum Ende des Fiskaljahres hierzu ein Konzept vorzulegen. Ein weiteres Problem, ist die ausstehende Reform des Banken-Gesetzes von 1983. Obwohl das Gesetz selber eine Überarbeitung in Fünfjahres-Abständen vorsieht, ist das bisher niemals erfolgt. Derzeit arbeiten Regierung und Parlament an getrennten Entwürfen.

Stabilisierung, bzw. Senkung der Zinsraten, derzeit bei 15% liegend und der Abbau der Schulden, die die Regierung bei inländischen Banken hat, sind wie die Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen und die Verbesserung der internationalen Beziehungen der Banken, Ziele die sich die CBI für die nächsten vier Jahre gesetzt hat. Internationale Standards sollen eingehalten werden. Für junge Ehepaare soll es zinsfreie Kredite geben.

Es gibt unterschiedliche Auffassungen über den Einfluss, der der Zentralbank über die Geldpolitik eingeräumt werden soll. Der Gesetzentwurf den das Parlament in Vorbereitung hat, soll außerdem mehr islamische Kriterien im Bankwesen berücksichtigen und das Parlament wünscht die Einrichtung einer juristischen Überwachung durch Beteiligung der Zentralbank, Aufsichtsbehörden, Juristen und Theologen mit Fachwissen in Bankwesen und Wirtschaftsfragen. Im Laufe des Sommers 2017 sollen die Entwürfe zur Abstimmung vorbereitet sein.

Iran steht aktuell noch auf der „Schwarzen Liste“ der bei der OECD angesiedelten „Financial Action Task Force“ gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Die Restriktionen der FATF wurden im Mai 2016 allerdings ausgesetzt. Entgegen der Erwartung der iranischen Regierung, wurde Iran in 2017 nicht von der „Schwarzen Liste“ entfernt, sondern die Organisation verlängerte nur die Aussetzung der Restriktionen, eine Entscheidung die das iranische Finanzministerium als politisch motiviert bezeichnete. Kritiker der Zusammenarbeit mit dieser internationalen Organisation, bemängeln, dass zu viele Informationen über Irans finanzielle Lage ins Ausland gegeben würden.

Iran Wirtschaft: Logo der Financial Action Task Force

Schlüsselindustrien und ihre wirtschaftlichen Beziehungen

Automobilindustrie

Aussichten

Insgesamt ist der Automobilmarkt in Iran durch die überwiegend durch die Sanktionen bedingten Probleme in eine Krise geraten und hat nur mit staatlichen Subventionen überlebt. Hier gibt es großen Nachholbedarf. Angesichts des Haushaltseinkommens iranischer Bürger wird der Schwerpunkt zunächst weiterhin auf preiswerten Modellen liegen. Mit einem groß angelegten „Verschrottungsprogramm“ will die Regierung jährlich 200000 veraltete Fahrzeuge aus dem Verkehr ziehen. Das Durchschnittsalter iranischer Autos wurde damit schon von 17 Jahren (2005) auf 10,6 Jahre (2013) reduziert. Bevorzugt gefördert werden Fahrzeuge mit Autogas-Antrieb. Die Unternehmensberatung „Roland Berger“ erwartet einen Anstieg des Verkaufs von Neufahrzeugen in Höhe von 18% bis 2020. Der Import von Automobilen stieg im Geschäftsjahr 2016/17 um 54% an, die Produktion verzeichnete eine Steigerung um über 20% im Jahresvergleich im Frühjahr 2017.

Iran Wirtschaft Automobilindustrie Iran Khodro

Deutsche Marken sind beliebt

Fragt man die iranische Bevölkerung, so sind deutsche Fahrzeuge im Iran besonders beliebt, 64% sprachen sich in einer Umfrage eines Fernsehsenders für deutsche Marken aus. Auf dem wiederbelebten KFZ-Markt zeigt sich das deutlich mit einem Plus von 79,12% beim deutschen Export von KFZ und KFZ-Teilen nach Iran in 2016. Dominiert wird der KFZ-Markt in Iran aber von einheimischen Marken. Nachdem die Kapazitäten der iranischen Hersteller seit 2010 nur zu 40% ausgelastet waren, steigerte sich die Produktion im iranischen Kalenderjahr 2016/2017 und der Trend setzt sich fort, so dass die iranischen Hersteller Steigerungsraten zwischen 17% und 45% zu Beginn des neuen iranischen Kalenderjahres (ab 21.3.2017) meldeten. Mit der Qualität einheimischer Fahrzeuge zeigen sich die Kunden in Umfrage unzufrieden. Die meisten Fahrzeuge erfüllen nicht die aktuellen Umweltstandards, so dass die iranische „Standard and Quality Inspection Company! (ISQC) gedroht hat, Produktionsstraßen nicht zeitgemäßer Fahrzeuge Ende 2018 still  zulegen.

Einfuhren von Fahrzeugen laufen zum größten Teil über freie Importeure, häufig als Re-Importe über Dubai. Der Anteil offizieller Repräsentanten von KFZ-Herstellern lag zuletzt bei ca. 30%. Hier dominieren derzeit koreanische Hersteller und Toyota. Alle deutschen Hersteller bemühen sich um Repräsentanzen in Iran, oder haben diese bereits eröffnet. Für VW ist der Top-Manager Anders-Sundt Jensen nach Iran gegangen, um dort eine Vertriebsorganisation aufzubauen.

Die großen lokalen Hersteller Iran Khodro und SAIPA haben derzeit einen Marktanteil von über 90%. Es besteht großes Interesse an der lokalen Fertigung und Montage deutscher Marken. Erfahrungen gibt es bereits mit der Mercedes E-Klasse. Im Januar 2017 verkündete Mercedes-Benz den Abschluss von 3 Verträgen mit Iran-Khodro, weitere stünden kurz vor dem Abschluss – dann gerieten die Verhandlungen jedoch ins Stocken und der Konzern gab keine weiteren Auskünfte zum Thema. Verwirrung gab es auch um den zukünftigen Partner von VW – nach widersprüchlichen Pressemeldungen im April 2017, ist wieder offen, mit wem der Konzern zusammen arbeiten wird. Auch BMW ist vorsichtig und will die weiteren politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen abwarten.

Deutsche Firmen sind so zurückhaltend, da der US-Präsident Trump wiederholt den JCPoA in Frage gestellt hat und deutsche Automobilunternehmen um den US-Markt fürchten, sollten sie das Iran-Geschäft vorantreiben.

Europäische Firmen wie Renault und Peugeot-Citroen sind lange auf dem iranischen Markt vertreten. In 2012 brach Peugeot-Citroen die Zusammenarbeit mit Iran Khodro ab – es wurden aber weiterhin Fahrzeuge gefertigt.

Für Peugeot-Citroen bedeutete das einen erheblichen Umsatzeinbruch, 10% seiner weltweiten Auslieferungen verlor der Konzern. Nach dem JCPoA drängten die französischen Konzerne dann auch mit Nachdruck in den iranischen Markt. Da deutsche Firmen aus Angst vor US-Repressionen weitaus zurückhaltender agieren, erobern sich die französischen Firmen derzeit den größeren Anteil am europäischen Iran-Geschäft.  Anfang 2016 kehrte Peugeot Citroen mit einem neuen Joint Venture nach Iran zurück und will dort drei neue Modelle fertigen. Die Umsetzung des Projektes gestaltet sich allerdings schwierig, wie das Unternehmen im Oktober 2017 vermeldete: Liquiditätsprobleme von Iran Khodro führten dazu, dass notwendige Teile nicht bestellt werden konnten. Das Projekt hat einen Umfang von 435 Mio. USD und sollvseine Teile zu 40% von lokalen Herstellern beziehen. Die zügige Rückkehr auf den iranischen Markt hat sich gelohnt: in der Region Nahost/Afrika, zu der Iran gehört, steigerte sich der Absatz um 113%. Insgesamt beträgt der Umfang des Iran-Geschäftes von PSA mit Iran Khodro und SAIPA zum Beginn es zweiten Quartals 2017 bereits 768 Mio.USD. Für positive Stimmung gegenüber Peugeot-Citroen sorgt sicherlich auch, dass der Konzern für die Zeit der Wirtschaftssanktionen 400 Mio.Euro Schadenersatz an Iran zahlt.

PSAs größter Wettbewerber, Renault, hat derweil eine lokale Fabrik im Süden Teherans übernommen und startet dort mit der Produktion preiswerter Modelle wie dem Sandero und dem in Indien entwickelten Kwid. Im nächsten iranischen Fiskaljahr, ab Ende März 2018, will Renault bereits 300000 Fahrzeuge produzieren lassen.

Der größte internationale Konkurrent für europäische Firmen sind allerdings chinesische Hersteller, die große Produktionslinien von bis zu 150000 Fahrzeugen jährlich bauen lassen. Dadurch dass sie auch in Zeiten der Sanktionen mit Iran Geschäfte machten, ist Iran zu einem der größten Märkte für chinesische Autos geworden.

KFZ-Teile

Iran hat eine entwickelte KFZ-Teile Industrie. Der Bedarf an importierten KFZ-Teilen ist aber weiterhin hoch.

Mit der weltweit engagierten deutschen Mahle GmbH hat Iran Khodro einen 125 Mio.Euro-Vertrag zur Entwicklung und Co-Produktion von energiesparenden Drei-Zylinder-Antriebssystemen abgeschlossen. Ehrgeiziges Ziel: die Entwicklungszeit soll dabei von 46 auf 30 Monate verkürzt werden.

LKW- und Bus-Produktion

Iran hat einen bedeutenden LKW-Sektor, der allerdings sanktionsbedingt erheblich eingebrochen ist. Daimler-Benz war nach dem „Implementation Day“ als eines der ersten großen deutschen Unternehmen vor Ort um Projekte zur Kooperation mit iranischen Partnern anzustoßen (Iran Khodro Diesel und Mammout Group). Daimler wollte außerdem erneut beim zu IKD gehörigen Komponentenhersteller IDEM einsteigen und drei Dieselaggregate und außerdem leichte LKW fertigen lassen. Die Umsetzung dieser Projekte ist allerdings aus den genannten Gründen ins Stocken geraten und Daimler-Benz gab im Mai 2017 keine Auskunft über seine Iran-Pläne. Auch MAN will wieder in das Iran-Geschäft einsteigen. Im Januar 2017 verkündete die iranische SAIPA, dass sie in diesem Jahr mit der Produktion von drei Volvo-LKW-Modellen beginnen würde.

Iran Wirtschaft: LKW und Bus-Produktion

Maschinenbau

2006 hatte Deutschland im Maschinenbau einen Marktanteil von 31%  mit 1,57 Mrd USD. 2015 lag der Umsatz nur noch bei 0.55 Mrd USD. China ist derzeit führend bei Maschinenexporten nach Iran mit einem Marktanteil von 39%/2,2Mrd. USD (2016).

Die Perspektiven der Branche werden positiv beurteilt. Der heimische Maschinenbau Irans hat unter den Sanktionen profitiert, leidet aber unter dem anhaltenden Investitionsstau. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Metallverarbeitung.

Die iranische Politik erwartet, dass Geschäftspartner das lokale Know-how nutzen und den Technologietransfer ausbauen. Ziel ist es, die Fertigung in Iran vorzunehmen, oder mindestens die Montage.

Exportzuwächse

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Metallbearbeitungsmaschinen
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Kraftmaschinen
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Elektrische Maschinen
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Kunstoff- und Gummimaschinen

Verband deutscher Maschinenbauer im Iran

Zur Unterstützung der deutschen Maschinenbauer hat der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ein Büro in Teheran eröffnet. Der VDMA erhofft sich, einen Marktanteil von 10-15% zurückzuerobern. Mit guten Aussichten: außer bei den Arbeitsmaschinen verzeichneten alle Sparten des Maschinenbaus in den ersten fünf Monaten 2017 kräftige Exportzuwächse nach Iran (Metallbearbeitungsmaschinen +80,4%, Elektrische Maschinen +30,4%, Kraftmaschinen +20,8%, Spezialmaschinen +12,7%).

Für die Sparte der Kunststoff- und Gummimaschinen vermeldete der VDMA alleine für das erste Halbjahr 2017 eine Steigerung der Verkäufe nach Iran um 140%: 22,9 Mio. Euro – im Vorjahreszeitraum 9,3 Mio. Euro.

Angesichts der durch die US Politik neu entfachten Diskussion um die Zukunft des „Atomabkommen“ rät der Verband Deutscher Maschinenbauer zur Gelassenheit:

„Das Nuklearabkommen und die Überwachung des Iran durch die internationale Atomenergieorganisation IAEO funktionieren, ebenso die mit dem Land vereinbarten Exportkontrollen. Die EU und die Bundesregierung stehen fest hinter dem Nuklearabkommen, dessen integraler Bestandteil auch die Verbesserung von Wirtschaftsbeziehungen ist. Deshalb dienen auch Maschinenlieferungen den politischen Zielen des Nuklearvertrags.“ so VDMA-Abteilungsleiter Ackermann.

Öl-, Gas- und Chemieindustrie

Iran hat die weltweit größten Gas- und viertgrößten Ölreserven. Nicht nur die Sanktionen, auch der Ölpreisverfall haben dem Land zu schaffen gemacht.

Im Zuge der Sanktionen war die Förderung um die Hälfte reduziert worden. Der aktuelle Fünfjahres-Entwicklungsplan sieht einen Investitionsbedarf von 185 Mrd. USD in den nächsten Jahren.

Im Kalenderjahr 2016/17 wuchs nach dem Ende der Sanktionen der Öl- und Gassektor rasant. Die Förderung von Öl und Kondensaten erreichte mit 3,9 mio/bpd noch nicht ganz wieder das kurzzeitige Allzeithoch von 4,2 mio/bpd vor Verschärfung der Sanktionen, Iran ist aber bereits jetzt der drittgrößte Produzent der OPEC nach Saudi-Arabien und Irak.

Iran Wirtschaft

Iran Petroleum Contract

Die jetzige iranische Regierung wirbt mit günstigeren Bedingungen als vorherige um ausländisches Kapital. Der neue „Iran Petroleum Contract“ ist im Land nicht unumstritten, da er nach Meinung mancher Kräfte den ausländischen Firmen in den nächsten 20-25 Jahren eine zu weitreichende Verfügungsgewalt  über iranische Öl- und Gasvorkommen ermöglicht, was einen Konflikt mit der Verfassung bedeuten könnte. Der erste der Verträge mit einem Umfang von 4,8 Mrd. USD innerhalb dieser Rahmenbedingungen wurde im Juli 2017 unterzeichnet: Die französische Total wird zusammen mit der chinesischen CNPC und der iranischen Petropars, einer Tochter der staaatlichen NIOC,  das South-Pars-Gasfeld Phase 11 weiter entwickeln. Total hält dabei 50,1% der Anteile, die CNPC 30% und Petropars 19,9%. Die Laufzeit des Vertrages beträgt 20 Jahre und soll 85 Mrd.USD einbringen, wovon laut iranischer Regierung 12 Mrd. USD den ausländischen Investoren zukommen würden und der weitaus größte Teil Iran gehöre.

Bis zum Ende des laufenden iranischen Jahres im März 2018 erhofft sich die Regierung den Abschluss von 10 weiteren Verträgen unter dem Regelwerk der „IPC“. Der im Amt bestätigte Ölminister Bijan Namdar Zanganeh bezifferte den Umfang der erhofften Investitionen auf  50-60 Mrd. USD.

Chancen für den Mittelstand

Im Bereich der Öl-, Gas- und Chemieindustrie bieten sich Chancen für deutsche Lieferanten u.a. von Mess- und Regeltechnik, Pumpen und Umwelttechnik, auch gerade im Bereich des Mittelstandes.

Die Mannheimer Bilfinger SE liefert für eine der größten Raffinerien Irans in Esfahan die gesamte Prozessleittechnik.

Gas

Derzeit verbraucht Iran 95% seiner Gasreserven selber und ist damit weltweit der viertgrößte Verbraucher, nach den weitaus Bevölkerungsreicheren Ländern USA, Russland und China.  Laut National Iranian Gas Company sind bisher 90% der Haushalte an das nationale Netz angeschlossen, in 2017 sollen 95% erreicht werden. 34000 km Gas-Pipelines innerhalb Irans sind schon vorhanden, weitere 6000 km sind vorgesehen. Der Export soll auf 200 Mio. cbm täglich gesteigert werden. Mit der deutschen Firma Linde wurde eine Vereinbarung zur Auslieferung einer schwimmenden LNG (Liquid-Natural-Gas) Exportanlage vereinbart.

Iran Wirtschaft: Petrochemie

Chemie und Petrochemie

Die Chemieindustrie modernisiert in großem Stil ihre Raffinerien, vor allem zur Verarbeitung von bei der Gasförderung anfallenden Kondensaten. Diese werden weitgehend exportiert, angestrebt wird eine inländische Verwertung von 25%. In der Zusammenarbeit mit Iran auf diesem Gebiet ist unter den europäischen Ländern Italien führend.

Die petrochemische Industrie hat in den letzten vier Jahren ihren Ausstoß erhöht und hat noch Großes vor. Zum Ende des iranischen Kalenderjahres 2016/17 hat die Produktionskapazität 62 mio/t erreicht. Tatsächlich produziert wurden 50,6 mio/t. Zum Ende des laufenden iranischen Fiskaljahres 2017/18 sollen 58 mio/t produziert worden sein, bei einer Kapazität von 72 mio/t. Insgesamt soll bis 2020 die Jahreskapazität auf 130 mio/t und bis 2025 auf 180 mio/t ansteigen – von 46 mio/t im letzten Jahr unter vollen Sanktionen (2015/2016).

Für diesen Ausbau der Kapazitäten werden ausländische Investitionen benötigt. Derzeit sind 80 Projekte geplant oder noch nicht fertig gestellt, 6 davon sollen in diesem Jahr in Betrieb gehen. Iran erhofft sich über 2200 neue Arbeitsplätze in diesem Bereich. Für die geplanten Projekte beabsichtigt Iran 72 Mrd. USD bis 2010 einzuwerben. Die petrochemische Industrie ist der zweitgrößte Exportfaktor Irans. Produziert werden hauptsächlich Methanol, Ethylen, Polyethylen, Propylen, Polypropylen, Ammoniak und Harnstoff.

Iran produziert 4,8% der weltweit hergestellten petrochchemischen Produkte, dominiert aber mit 38% den Markt der MENA-Region.

Ein Wettbewerbsvorteil für  die Iran Wirtschaft liegt in den im Verhältnis niedrigen Produktionskosten für petrochemische Erzeugnisse, die bei einem Fünftel des weltweiten Durchschnitts liegen. Bis 2035 sind 300000 neue Arbeitsplätze im petrochemischen Sektor prognostiziert.

Deutsche Firmen die am Ausbau der petrochemischen Industrie vor den Sanktionen beteiligt waren, sind z.B.: Linde, Lurgi und Uhde (Thyssen-Krupp). Die Vize-Ölministerin Marsieh Schahdaei äußerte großes Interesse daran, an diese guten Beziehungen wieder anzuknüpfen.

Bauwirtschaft

Krise

Innerhalb der Iran Wirtschaft durchlebt die iranische Bauwirtschaft seit 2010 eine schwache Phase, seit 2012 steckt sie in einer Rezession und schrumpfte auch in 2016: im ersten Quartal um – 25,6%. Da sind die – 2,6% im Sommer geradezu ein Lichtblick. Zum Jahresende des iranischen Jahres im März 2017, meldet die iranische Statistikehörde einen Rückgang von 11% für das Gesamtjahr., die Zentralbank Irans sieht sogar -17%.  Ursache für die Rezession sind die zurückgegangenen öffentlichen Bauvorhaben, aber auch der private Sektor, z.B. der Wohnungsbau. Experten bemängelten die Politik der Banken, die es bevorzugten, kommerzielle Projekte und Luxuswohnungen, statt kleinerer Einheiten im Wohnungsbau zu finanzieren. Das habe zu Leerständen auf dem Wohnungsmarkt geführt und zu einem Überangebot an gewerblichen Immobilien. Hier zeichnet sich ein Sinneswandel ab: der um 12% gestiegene Verkauf von Baumaterialien und die um 5% gestiegene Produktion im dritten Quartal in diesem Bereich, ist nach Meinung von Experten auf die gestiegene Nachfrage nach kleinen Wohneinheiten zurückzuführen. Für die nächsten Jahre ist angesichts verbesserter Lage der öffentlichen Hand und durch den erwarteten Wirtschaftsaufschwung ein Wachstum der Branche um jährlich 4% prognostiziert.

Das unter dem früheren Präsidenten Ahmadinejad initiierte Programm zum Bau von 2 Mio. Sozialwohnungen wurde nicht zu Ende gebracht. Unter Präsident Ruhani ist jetzt ein neues Programm zum Bau von 125000 Wohnungen vorgesehen.

Iran Wirtschaft: Bauwirtschaft

Die Produktivität im Bau-Sektor liegt deutlich unter der von Vergleichsländern: halb so groß wie in der Türkei, noch weiter hinter der in Polen. Verzögerungen bei der Fertigstellung von Projekten lassen sich nicht nur auf die in den letzten Jahren belastenden Sanktionen zurückführen. Hier sind grundlegende Modernisierungen nötig, was sich in einer um 8% gestiegenen Nachfrage nach Baumaschinen in 2016 zeigt. Um mehr ausländische Investoren in die Bauwirtschaft im Land zu holen, muss die Regierung verbesserte gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen. Derzeit werden 75% der Bauvorhaben von iranischen Firmen ausgeführt.

Deutsche Firmen als geschätzte Partner

Staatliche Auftraggeber schätzen die Zusammenarbeit mit deutschen Planern, da sie sich davon  eine nachhaltigere Qualität versprechen. Bei staatlichen Projekten muss mit längeren Laufzeiten  durch verwaltungstechnische Hindernisse gerechnet werden. Allgemeine Baustandards fehlen. Öffentliche Projekte werden ausgeschrieben, bei privaten Projekten können Architekten und Ingenieure ihre Handwerker direkt beauftragen.

Maschinen- und Anlagenparks

Erneuerungsbedarf besteht in den Maschinenparks der Baustoffindustrie. In einer der wichtigsten Sparten der Bauwirtschaft, der Zementindustrie, werden die Kapazitäten ausgebaut um den steigenden inländischen Bedarf decken zu können und Export zu erhöhen. Von 30 neuen Anlagen wurden 6 bereits fertig gestellt. Die Ziele der Regierung sind hier ehrgeizig. In den Jahren 2014/15 lag der Zementexport bei  18,4 Mio/t, der Industrieminister prognostiziert bis zum Jahr 2025 einen Anstieg auf jährlich 120 Mio/t. Bereits jetzt ist Iran weltweit der führende Exporteur von Zement, auch wegen hoher Nachfrage aus dem Irak. Dort bremsen allerdings hohe Einfuhrzölle, so dass es zu Überkapazitäten kam und Anlagen stilll gelegt wurden. Der Export in andere Länder ist mit höheren Kosten verbunden.

Infrastruktur vorrangig

Im Bereich der Verkehrsinfrastruktur, beim Straßenbau, Eisenbahnen und Flughäfen wird eine deutliche Belebung erwartet.

Niedrigere Staatseinnahmen durch den gesunkenen  Ölpreis können dabei die staatlichen Investitionen bremsen.

Bergbau und Metallindustrie

Irans Reserven an mineralischen Bodenschätzen beinhalten 68 Stoffarten, insgesamt 37 Mrd. Tonnen gesicherte und 57 Mrd. Tonnen vermutete Vorkommen, darunter große Vorräte an Kohle, Eisenerz, Kupfer, Blei, Zink, Chrom, Uran und Gold. Insgesamt förderten die Minen knappe 300 Mio. Tonnen im iranischen Jahr 2016/17.

 

 

Stahl

Iran liegt mit seiner Stahlproduktion weltweit auf dem 12. Ranund steigerte sich damit um einen Platz seit 2016. Seine Kapazität hat es von 12 Mio. Tonnen 2010  auf über 16 Mio. Tonnen 2016 gesteigert. Diese Menge erreichte das Land in 2017 bereits in den ersten neun Monaten. Angestrebt wird, weltweit bis 2025 auf Rang 6 zu landen, mit einer Produktionskapazität von 55 Mio. Tonnen. Investitionen von 40 Mrd. USD sind erforderlich.

Um die angestrebten 55 Mio. Tonnen Stahl zu erreichen werden zudem 160 Mio. Tonnen Eisenerz gebraucht. Das bedeutet eine Steigerung zur derzeitigen Förderung um weit mehr als 100 Mio. Tonnen, während die Minenbesitzer mit mangelnder Liquidität kämpfen. Im Wirtschaftsjahr 2016/17 förderten die iranischen Minen knappe 30 Mio. Tonnen Eisenerz, was eine mehr als 19%ige Steigerung zum Vorjahr bedeutete.

Ein Manko auch ist die niedrige Produktivität in der Stahlindustrie, die gerade mal bei einem Viertel des türkischen Nachbarn liegt. Hier fehlt es weniger an moderner Technologie als an effektiveren Arbeitsabläufen. Zudem sind die Transportkapazitäten iranischer Eisenbahnen und Frachtschiffe für den Transport von Eisenerz im Land und für den Export noch unzureichend. Trotz aller Schwierigkeiten sieht das Industrieministerium den „worst case“ bei 50 Mio. Tonnen Stahl in 2025. An Rohstahl produzierte Iran in 2016  17,89 Mio. Tonnen, das ist eine Steigerung von 11% im Vergleich zu 2015. Der Export an Rohstahl stieg um 108% auf 3,22 Mio. Tonnen.

Die italienische Danieli-Gruppe hat Absichtserklärungen für Projekte über 6 Mrd. USD unterzeichnet. Aus Deutschland ist die SMS-Group über ihre italienische Tochter ebenfalls engagiert.  Drei von chinesischen Firmen finanzierte Stahlprojekte sind in der Fertigstellung.

Iran Wirtschaft: Metall

Kupfer/Aluminium

Iran Wirtschaft: Metallindustrie

Die Aluminiumproduktion im Iran ist seit 2014 stagnierend, ihre Kapazitäten werden nicht ausgeschöpft: 350000 Tonnen von möglichen 470000 werden derzeit produziert. Angestrebt werden 1,5 Mrd. Tonnen in 2025, wofür Iran um 10 Mrd. USD Investment wirbt. Beteiligt sind hierbei indische, chinesische, französische und italienische Investoren.

Alle Stahl- und Aluminiumproduzenten sind Töchter der Iranian Mining Industries Development & Renovation Organization (IMIDRO).

Die Kupferproduktion ist ansteigend mit angestrebten Zuwachsraten von jährlich 10% über 10 Jahre. Das Ausgangsniveau ist hier niedrig (weltweit an 13. Stelle von 20 Ländern), mit 0,2 Mio. Tonnen Kathodenkupfer in 2014/15, wobei Iran bei seinen Kupfervorkommen weltweit an 9. Stelle liegt. Die National Iranian Copper Industries Company (NICICO) hat mit der Mansfelder Kupfer und Messing GmbH (MKM; Hettstedt/Sachsen-Anhalt) eine Absichtserklärung zur Durchführung verschiedener m Gesamtwert von 1 Mrd. Euro unterzeichnet.

Medizintechnik und Pharmaindustrie

Der Bereich der Medizintechnik war zwar grundsätzlich nicht von den Sanktionen betroffen, auch ist die Branche eine der innovativsten Industrien im Iran selber. Schwierigkeiten im Zahlungsverkehr behinderten jedoch die Handelsbeziehungen. Trotzdem bietet der Markt gute Chancen, auch für ausländische Investoren zum Ausbau der lokalen Industrie. 500 iranische Firmen produzieren einfache, aber auch hochwertige Geräte. Derzeit sind die Niederlande führend beim Export von Medizintechnik nach Iran, deutsche Firmen verzeichnen aber einen erheblichen Anstieg von über 49% seit 2013.

Seinen Bedarf an Medikamenten deckt Iran zu 90% selbst, produziert allerdings überwiegend Generika und Wirkstoffe. Hochpreisige patentierte Medikamente werden eingeführt, ebenso wie Bestandteile zur Produktion von Generika.

Auch die USA exportieren Medizintechnik nach Iran und haben ihren Export seit 2013 um 50% gesteigert.

Iran Wirtschaft: Pharmaindustrie

Luftfahrt

Flughäfen

Iran Wirtschaft: Irans erster neuer Airbus Langstreckenjet A 330-200

Iran hat sanktionsbedingt einen erheblichen Sanierungsstau im Bereich der Luftfahrt. Im Flughafensektor gibt es sieben geplante Großprojekte, allen voran der Ausbau des internationalen Imam-Khomeini-Airport in Teheran, der ein zweites Terminal erhalten soll. Unter französisch-niederländisch-türkischer Beteiligung soll die Kapazität um 14 Mio. Passagiere jährlich erhöht werden, von jetzt 6,5 Mio. Für das Projekt sind Investitionen von 2,8 Mrd. USD veranschlagt. Der IKA soll als Drehscheibe dienen und damit Dubai Konkurrenz machen. Weiterhin gibt es Ausbaupläne für die Flughäfen Mashad und Esfahan, Shiraz und Täbriz, in Kooperation mit französischen Firmen. Neue Flughäfen sollen in Ahvaz und in der Provinz Bushehr gebaut werden. Insgesamt werden für die Überholung und Modernisierung der Flughäfen Investitionen in Höhe von 5,5 Mrd. USD benötigt.

Auswirkungen hat die Sanierung der iranischen Luftfahrtindustrie auch auf andere Länder und Fluglinien: 40 neue Strecken von Iran zu den Golfländern bis nach Europa wurden eröffnet. So fliegt jetzt z.B. die Qeshm Airline zweimal wöchentlich von Hamburg nach Tabriz.

Flugzeugflotte

Zur Erneuerung der überalterten Flugzeugflotte hat Iran seit Aufhebung der Sanktionen bereits mehr als 300 neue  und gebrauchte Maschinen bestellt, und Optionen auf 50 weitere.Das sind doppelt so viele Flugzeuge, wie nach den Sanktionen noch einsatzfähig in Iran vorhanden waren. Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen insgesamt 500 Flugzeuge angeschafft werden. Die meisten Bestellungen (173) gingen an Airbus. Iran führt ebenfalls Verhandlungen mit dem Airbus-Konkurrenten Boeing (140 Maschinen), diese Geschäfte müssen von der US-Regierung genehmigt werden. Das gilt auch für die Airbus-Käufe, da Teile dieser Flugzeuge in den USA gefertigt werden.US-Präsident Trump hat angekündigt, die Flugzeuggeschäfte überprüfen zu lassen und will neue Sanktionen verhängen. Im Januar 2017 wurde bereits der erste Airbus A321 an Iran-Air ausgeliefert, im März der erste A330-200. Der italienisch-französische Hersteller ATR liefert der staatlichen iranischen Fluggesellschaft 20 Passagierflugzeuge für den Inlandsverkehr, wovon die ersten vier im Mai 2017 ausgeliefert wurden, weitere zwei Ende September. Optionen für weitere 20 Maschinen wurden ausgehandelt. Auch private iranische Fluggesellschaften bestellten bei Airbus: bei der Paris Air Show im Juni 2017 unterzeichneten 2 private Gesellschaften Absichtserklärungen zum Kauf von insgesamt 73  A320 Neo und A330 Neo Jets.

Iran Wirtschaft: Iran-Air Chefin Farsaneh Scharafbafi

Farsaneh Scharafbafi, erste Frau an der Spitze von Iran-Air hat gewaltige Aufgaben

Elektronik/Elektrotechnik/Energieerzeugung

Konventionelle Energien/Atomkraft

Gas- und Dampfturbinen  erzeugten 61 GW, das Atomkraftwerk Bushehr 1 GW.

In den letzten 5 Jahren hat Iran seine Kapazitäten um 30% erhöht.

Die Regierung strebt an, eine Kapazität von 110 GW im Jahr 2022 erreicht zu haben.  Der Anstieg soll nicht nur durch neue Projekte, sondern vor allem auch durch den Umbau wenig effizienter Gasturbinen erfolgen.

Das türkische Unternehmen Unit International unterzeichnete einen 4,2 Mrd. USD schweren Vertrag zum Bau von 7 Gaskraftwerken in Iran, die zukünftig rund 10% des iranischen Energiebedarfs decken sollen.

Die Atomkraft soll ausgebaut werden, hier arbeitet Iran mit Russland zusammen.

Der Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie sieht ein großes Potential für seine Branche im Iran, beklagt aber ein Teilembargo, das für einzelne Güter und Geschäftsarten immer noch Beschränkungen und Genehmigungspflichten vorsieht.

Bosch hat 2016 eine Niederlassung im Iran eröffnet und will dort u.a. im Bereich Elektrotechnik, Energie- und Gebäudetechnik und als Automobilzulieferer tätig werden.

Erneuerbare Energien

Laut Aussage des iranischen Generalsekretärs der Gas exportierenden Länder (GECF)Mohammad-Hossein Adeli, wird in den nächsten 25 Jahren ein Verdreifachung des Energiebedarfs in Iran erwartet. Im Bereich der Energieerzeugung setzt darum auch Iran auf erneuerbare Energien, die Regierung hat dafür 2015 ein novelliertes Erneuerbare Energien-Gesetz implementiert um Investitionsanreize zu bieten. Nach Inbetriebnahme der Anlagen gibt es staatliche Abnahme- und Preisgarantien für Energie aus Windkraft, Solarenergie, Biomasse und Geothermie, sowie auch für kleinere Wasserkraftprojekte (Power Purchase Agreement-PPA). Die Abnahme- und Preisgarantien wurden hierbei auf 20 Jahre verlängert  – bemerkenswert ist, dass die Abnahmepreise für die Firmen die lokale Technologie verwenden, um 15% bis 30% höher sind. Für ausländische Investoren gibt es staatliche Garantien. Experten halten die iranischen Einspeisevergütungen für die z.Zt. weltweit profitabelsten.

Bei einem Gesamtvolumen von 74 GW an erzeugter Energie entfielen auf Wind- und Solaranlagen, in 2015, 250 MW, auf Wasserkraft immerhin 12 GW. Angestrebt werden bis 2020  5 GW aus erneuerbaren Quellen.

Iran Wirtschaft: Windenergie

Im laufenden iranischen Kalenderjahr ( ab 21.3. 2017 bis 20.3.2018) soll eine Kapazität von 850 MW an erneuerbaren Energien erreicht werden. Eine im März 2017 in der Provinz Qazvin in Betrieb genommene Windfarm soll 55 MW erzeugen, bei einer Ausbaukapazität auf 15% des iranischen Strombedarfs. Sie wurde von der MAPNA Group errichtet, die nicht nur als Investor tätig ist, sondern u.a. auch Windkraftanlagen in Zusammenarbeit mit der Rendsburger Aerodyn fertigt.

Zur Förderung von Photovoltaik-Anlagen vor allem in ländlichen Gebieten hat die Regierung Förderprogramme aufgelegt, die durch eine Erneuerbare-Energien-Umlage auf den Strompreis finanziert werden. Windkraftanlagen werden auch in Iran selber produziert, weiterhin gibt es Investitionen mit dänischer und deutscher Beteiligung.

Im Bereich der Solaranlagen gibt es Kooperationen mit der Leipziger Green Energy 3000 GmbH im Umfang von 20 Mio.USD. Von weiteren Plänen deutscher Investoren zum Bau von größeren Solarkraftwerken in den Provinzen Esfahan und Kerman berichtet die iranische Presse. Die Entwicklung der Photovoltaik in Iran hat sich zögerlich gestaltet, nimmt aber jetzt Fahrt auf: Bereits 1997 gab das Energieministerium bei einer deutschenIngenieurfirma eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Erst  2008 ging dann das erste Pilot-Solarkraftwerk mit einer Kapazität von 250 Kilowatt in Betrieb. Im Februar 2017 eröffnete dann die größte bisher installierte Anlage in der Provinz Hamedan mit einer Leistung von 14 Megawatt. Eine 20 MW-Anlage ist in Mashahr im Bau.

Das größte bisher geplante Projekt kündigte der auf Solarenergie spezialisierte europäische Investor Quercus an: die weltweit sechstgrößte Solarfarm mit 600 MW Leistung soll in Zentraliran errichtet werden. Das Projekt hat einen Umfang von über einer halben Milliarde Euro. Baubeginn soll im Frühjahr 2018 sein.

Ein 5 MW Geothermieprojekt unter italienischer Beteiligung soll 2017 fertiggestellt werden.

In 2016 wurde ein 450 MW Wasserkraftprojekt fertiggestellt, ein weiteres mit mit 400 MW soll 2018/19 in Betrieb genommen werden.

Schienen- und Nahverkehr

Für den Ausbau und die Sanierung der Infrastruktur des Schienenverkehrs sind in den nächsten Jahren dringend notwendige Investitionen in Höhe von 30 Mrd. Euro geplant, ohne städtische Metrosysteme. Hierzu verabschiedete das iranische Parlament ein Gesetz, dass den Einsatz von einem Prozent der Öl- und Gaseinnahmen des Landes im laufenden Fünfjahresplan (bis 2021) für den Ausbau des Schienenverkehrs vorsieht. Das soll insgesamt eine Mrd.USD bringen. Mehr noch wird von den Einnahmen aus Dieselverkäufen erwartet: 10% sollen in die Eisenbahnen fließen (7,5 Mrd. USD). Von den 13 241 Schienenkilometern (2014) waren nur 196 km elektrifiziert und nur 450 km zweispurig. Das Passagieraufkommen im Schienenverkehr betrug 2016  27 Mio (ein Anstieg von 3 Mio. im Vergleich zu 2014), im Frachtverkehr  35 Mio. Tonnen, was nur 8% der Warentransportes ausmacht. Der meiste Güter- und Passagierverkehr läuft über Irans Straßen.

Mit der Deutsche Bahn AG hat Iran Gespräche über die Nutzung des NSTC (North-South Transport Corridor) geführt, über den Waren aus Europa über Georgien und Aserbaidschan nach Iran und weiter nach Indien und in die Golf-Staaten, und umgkehrt, transportiert  werden. Ende November 2016 will die Deutsche Bahn diese Route erstmalig nutzen und damit die Transportzeit unter Umgehung des kostspieligen Suez-Kanals um 14 Tage verkürzen.

Das von der chinesischen Regierung initiierte Projekte „Neue Seidenstraße“ verbindet seit 2016 Iran über 10000 km mit China. Güterzüge sind hier ungefähr zwei Wochen unterwegs und durchqueren dabei Kasachstan und Turkmenistan. Die chinesische Regierung will insgesamt 124 Mrd. Dollar in das Projekt investieren.

Iran Wirtschaft: Schienenverkehr

Ausbaupläne

Das Ministerium für Transportwesen und städtische Entwicklung hat ehrgeizige Ziele: mit 12000 km neuer Bahnstrecken nahezu eine Verdoppelung der Streckenkilometer, dazu die Elektrifizierung und der zweispurige Ausbau weiterer Strecken. In 2016 wurden gerade mal 720 Mio.Euro investiert, das Ziel ist 30 Mio.Euro Investitionen bis 2021. Im Budget 2017/2018 hat die Regierung eine Steigerung von 30% der Investitionen vorgesehen.

Siemens Mobility hat mit Irans National Railway Company Vereinbarungen im Wert von 1,5 bis 2 Mrd. Euro getroffen. Außer dem Ausbau des Schienennetzes umfassen diese auch Lieferung von Lokomotiven und Passagierwaggons. Kooperationen mit iranischen Firmen zum Zweck des Know-how-Transfers und zur Ausbildung sind vorgesehen.

Erheblichen Aus- und Neubaubedarf gibt es auch in den Nahverkehrslinien der iranischen Großstädte.

Iran Wirtschaft: Schienenverkehr

Umwelttechnik

An der im November 2015 in Teheran abgehaltenen „Iran-Germany First Joint Conference on Water and Wastewater“ haben 19 deutsche Firmen teilgenommen und ihre Bereitschaft erklärt, in Irans Wasser und Abwassersektor zu investieren.

Der Bedarf ist enorm: 22 Mrd. USD an Investitionen werden gebraucht, erklärte der Vertreter der staatlichen Iran Water and Wastewater Engineering Company (NWWEC), bisher seien 3000 Projekte wegen Finanzierungsproblemen ins Stocken geraten. Insgesamt blieben in Iran derzeit 60% des Abwassers unbehandelt. Aktuell bietet allein die Stadt Teheran ausländischen Investoren 13 Klärwerksprojekte an. Die VR China ist hier ebenfalls im Geschäft: 2 Kläranlagen für 223 Mio USD will die Volksrepublik bauen. Iran bietet ausländischen Firmen hier eine Laufzeit von 25 Jahren an. Das aufbereitete Abwasser soll zur Bewässerung städtischer Grünanlagen dienen. Auch französische Firmen sind im Iran tätig, besonders im Bereich zur Verhinderung von Wasserverlusten.

Iran Wirtschaft: Abwasseraufbereitung

Informations- und Kommunikationstechnik

Eine Befragung des „Statistical Center of Iran“ (SCI) ergab in 2016 ein Internet-Verfügbarkeit für insgesamt 29,5% der Einwohner, wobei die niedrigste Einkommensklasse hier nur mit 5,6% vertreten war. Zum Mobilfunknetz hatten 95.6% der Einwohner Zugang. Hierbei verfügen auch 92% der ärmsten Haushalte über mindestens ein Mobiltelefon. Festnetzanschlüsse gibt es um die 40 für 100 Einwohner.

(Quelle: Djavad Salehi-Isfahani, „Tyranny of numbers“)

Den Mobilfunkmarkt teilen sich 4  Anbieter. Der größte, die MCI ist staatlich, es folgt die private MTN Irancell, die kleineren Anbieter RighTel (gehört der Sozialversicherungsgesellschaft) und die private Taliya haben zusammen weniger als 6 Mio. Anschlüsse.

Die Verfügbarkeit schneller Mobilfunknetze befindet sich im Ausbau, aktuell werden 3G und LTE-Netze eingeführt. Die Versorgung mit schnellem Internet ist noch nicht überall gegeben. Zudem setzen viele Nutzer Software zur Umgehung der staatlichen Blockade von bestimmten Internetseiten ein, was die Geschwindigkeit zusätzlich verlangsamt.

Als europäischer Partner hat sich Italiens Italtel auf eine Zusammenarbeit mit der iranischen Telekommunikationsfirma TCI  verständigt.

Landwirtschaft

Iran Wirtschaft: Safran

Die iranische Landwirtschaft besteht zu einem großen Teil aus kleinen Betrieben, mit Betriebsgrößen von unter 5 Hektar. Dadurch ergibt sich ein großer Modernisierungsbedarf, sowohl im Bereich der Maschinenparks und bei intelligenter Bewässerungstechnik. Zudem plant das Landwirtschaftsministerium innerhalb der nächsten 10 Jahr allen Gemüseanbau in Gewächshäuser zu verlagern, mit dem Ziel, dadurch 10 Mrd. Liter Wasser jährlich einzusparen. 18% der iranischen Arbeitskräfte sind in der Landwirtschaft tätig, mit einem Potential für Wachstum und neue Arbeitsplätze. Als Produkte der iranischen Landwirtschaft sind vor allem Pistazien und Safran – das teuerste Gewürz der Welt – bekannt. Am Safran verdienen allerdings – so beklagen es die Erzeuger – überwiegend die internationalen Zwischenhändler. Außerdem besteht der begründete Verdacht, dass diese Kostbarkeit im Ausland gestreckt und verfälscht wird. Hier sind Spanien und die Vereinigten Arabischen Emirate in Verdacht, die jeweils ungefähr doppelt so viel Safrag exportieren, wie sie einkaufen. Konkurrenz erwächst Iran beim Anbau von Safran auch aus Afghanistan.

Wasserwirtschaft

Iran Wirtschaft Bild eines Staudamms

Wasserwirtschaft in Iran bedeutet vor allem, dass das Land erheblichen Verbesserungsbedarf im Umgang mit der äußerst knappen und lebenswichtigen Ressource hat. Bedingt durch den Klimawandel hat sich die Situation verschärft, so dass 12 von 31 iranischen Provinzen von kompletter Austrocknung bedroht sind.

Einsparkapazitäten gibt es vor allem durch intelligente Bewässerungstechniken in der Landwirtschaft und durch den Ausbau der Abwasserwirtschaft. In allen Bereichen wird investiert, der Nachholbedarf ist allerdings erheblich, da durch die langjährigen Sanktionen auch dieser Bereich behindert wurde.

Umweltaktivisten bemängeln die große Anzahl neuer Staudämme, die Iran seit der islamischen Revolution gebaut hat und halten die Pläne, trockene Gebiete im Landesinneren mittels Wasser-Transfer von entsalzenem Meerwasser zu versorgen für umweltschädlich.

Nützliche links

  • Deutsch-iranische Industrie- und Handelskammer:  http://iran.ahk.de/
  • Informationen und guidelines des US-Wirtschaftsministeriums zum Sanktionsabbau: https://www.treasury.gov/resource-center/sanctions/Programs/Pages/iran.aspx
  • Informationen und guidelines der EU zum Sanktionsabbau: http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/I/informationen-und-guidelines-der-eu-zum-sanktionsabbau,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf
  • Kalenderrechner abendländisch/iranischer Sonnenkalender: http://www.nabkal.de/kalrechiran.html

Quellen:

Für die Recherchen zu dieser Seite haben wir neben unseren eigenen Erkenntnissen folgende Quellen genutzt:

Agenturen: Reuters, Presseportal

Banken: Weltbank

Behörden und staatliche Institutionen: Auswärtiges Amt, Außenwirtschaftsportal Bayern,  BMBF, BMWI, EU, Eurostat, German Water Partnership, Global Water Partnership, GTAI, Institut für sozial-ökologische Forschung, Iranisches Energieministerium, IWF, IWWEC, NWWC Iran, OIETAI, Projektseite IWRM Zayandeh Rud, UN, Renewable Energy Organization Iran Statistisches Bundesamt

Medien: ARD, Business Monitor, Deutsche Bauzeitung, Deutsche Welle, Die Zeit, Fars News, FAZ, Finacial Tribune, Handelsblatt, Industriemagazin, Investor Verlag, Iranbild, Iran Contact Magazin, IRIB, Irananders, Young Journalists Club Iran, Manager Magazin, Mehr News, Newsweek, Pars Today, Presseportal, Press TV, SRF, Süddeutsche Zeitung, Spectaris, Tasnim, Tehran Times, Trading Economics, The Guardian, The Iran Project (Massoud Tajrishi),  Top Agrar online, Tyranny of Numbers (Blog von Djavad Salehi-Isfahani),  Wirtschaftsblatt

Unternehmen: Bilfinger. Eumecon

Unternehmensberatungen: BMI Research, Roland Berger, Bloomberg,  Institut für Ressourcenmanagement Inter 3 (Shahrooz Mohajeri und Axel Dierich),  McKinsey Global Institute

Verbände: AHK, Global Cement,DIHK, IHK, KPMG, NUMOV, TCI, VDMA, ZVEI, IXPOS